D’Windacher Film 2

Amtsübergabe Jakob Graf – Erwin Kropf

Im März 1984 wurde Erwin Kropf zum Bürgermeister von Windach gewählt. Der bisherige Amtsinhaber Jakob Graf schied aus Altersgründen aus.
Die Amtsübergabe und die Ehrung des ausgeschiedenen Bürgermeisters stand im Mittelpunkt der zweiten Folge aus der Reihe „D’Windacher Film“, die der Veteranen- und Kameradenverein Windach-Hechenwang kürzlich im Gasthof am Schloß in Windach veranstaltete.
Josef Bayr, der 2018 verstorbene Hobbyfilmer, hielt diese beiden Ereignisse mit der Kamera fest.

Das Foto zeigt ehemalige Gemeinderäte (GR) und Bürgermeister (BM) und Vertreter des Veteranenvereins. Von links: Gerhard Heininger (Archivar), Josef Baudrexl (GR), Heinrich Beinhofer (GR), Max Kirchmann (GR), Erwin Kropf (BM), Remigius Leimer (GR), Walter Graf (BM), Horst John (Digitalisierung), Manfred Stagl (Referent).

Der Vereinsvorsitzende Manfred Stagl konnte unter den über 40 Gästen auch einige aktive und ehemalige Gemeinderäte sowie die beiden Altbürgermeister Erwin Kropf und Walter Graf begrüßen. Der anschließende Film wurde von ihm vor jeder Szene erläutert und mit Hintergrundinformationen angereichert.
In der ersten konstituierenden Sitzung des neuen Gemeinderates im Sitzungssaal des Rathauses im Schloss von Windach fand die Amtsübergabe von Bürgermeister Jakob Graf an den neuen Bürgermeister Erwin Kropf statt. Der bisherige Bürgermeister übergab die Amtskette an den neuen Bürgermeister.
Es folgte die Vereidigung des neuen Bürgermeisters, die von Michael Weigl vorgenommen wurde. Er gehörte damals dem Gemeinderat am längsten an.
Michael Weigl sprach die einzelnen Sätze der Eidesformel vor und Bürgermeister Erwin Kropf sprach sie nach.
Anschließend wurde der Gemeinderat vom neuen Bürgermeister vereidigt. Ihm gehörten an:
Georg Freisleder, Heinrich Beinhofer, Max Kirchmann, Michael Weigl, Erich Bauer (alle Dorfgemeinschaft Windach), Wilfried Schmid, Walter Graf, Ernst Glück (alle CSU), Josef Baudrexl, Alfred Tixel (beide Freie Wählergemeinschaft Schöffelding), Remigius Leimer, Georg Beinhofer (beide Freie Wähler Windach), Jörg Roth (SPD) und Leonhard Kracher (Wählergemeinschaft Hechenwang).
Im zweiten Filmteil ging es um die Verabschiedung von Bürgermeister Jakob Graf im Saal des Gasthofes Goldener Stern am 25. Mai 1984.
Bürgermeister Erwin Kropf übernahm das Wort und ging auf die Amtszeit von Jakob Graf ein:
Im Jahre 1968 sei er maßgeblich am Bau des Schul- und Kirchenzentrums beteiligt gewesen, ebenso zwischen 1971 und 1975 an der Kanalisation in Windach. Der Neubau der Klinik (1975), die Gründung der Verwaltungsgemeinschaft oder der Kauf des Schlosses mit Umbau in Rathaus und Verwaltungssitz seien weitere Meilensteine in seiner Amtszeit gewesen.
Jakob Graf war seit 1952 Mitglied des Gemeinderats und seit 1966 Bürgermeister der Gemeinde Windach. Im Jahr 1982 erhielt er vom Freistaat Bayern die Staatsmedaille für kommunalpolitische Arbeit.
Im Anschluss daran ehrte Erwin Kropf den bisherigen zweiten Bürgermeister Max Kirchmann. Dieser übte das Amt des zweiten Bürgermeisters während der gesamten Amtszeit von Jakob Graf, also ebenfalls 18 Jahre lang aus. Zuvor gehörte er dem Gemeinderat bereits seit 1956 an.
Es folgten kurze Ansprachen von Behörden- und Vereinsvertretern, bevor der Film mit einer Rede des verspätet eingetroffenen (Ex-)Landrats Bernhard Müller-Hahl zu Ende ging.
Aufgrund der durchwegs positiven Resonanz der bisherigen zwei Veranstaltungen aus der Reihe “D’Windacher Film” wird es auch im nächsten Jahr Filmvorführungen dieser Art geben.
Ein besonderer Dank gebührt Horst John, der die Filme von Josef Bayr auf heutige Medien überspielt und so für die Zukunft erhält.

D’Windacher Film 1

Da Schuasta

Im Januar 1996 erhielt Georg Beinhofer von der Schusterinnung den Goldenen Meisterbrief für 70 Jahre Schuhmacherhandwerk. Der kürzlich verstorbene Hobbyfilmer Josef Bayr besuchte ihn am 15. Oktober 1996 in dessen Wohnhaus in der Landsberger Straße in Windach. Daraus entstand eine Filmaufnahme, in der Georg Beinhofer über sein langes, aber vor allem entbehrungsweiches Leben berichtete.

„Da Schuasta“ und seine interessante Lebensgeschichte stand deshalb im Mittelpunkt der ersten Folge aus der zukünftigen Reihe „D’Windacher Film“, die der Veteranen- und Kameradenverein Windach-Hechenwang kürzlich im Gasthof am Schloss in Windach veranstaltete.

Der Vereinsvorsitzende Manfred Stagl konnte unter den 80 Gästen auch zahlreiche Nachkommen und Verwandte von Georg Beinhofer begrüßen. Der anschließende Film wurde von ihm vor jeder Szene erläutert und mit Hintergrundinformationen angereichert.

Georg Beinhofer wurde am 29. April 1905 als neuntes von 15 Kindern in Unterwindach geboren. 1921 trat er im Alter von 16 Jahren eine Lehrstelle in Utting bei der Schusterei Sirch an. Er musste viel arbeiten. Einen geregelten 8-Stunden-Tag gab es damals noch nicht. Die Arbeitszeit belief sich auf 12 Stunden täglich, auch am Samstag. Ein Fahrrad, um nach Utting zu fahren, hatte er nicht und so musste er meist zu Fuß in die Arbeit laufen. Es war damals eine sehr schlechte Zeit, die Inflationszeit. Er habe oft Hunger gehabt wie ein Wolf. Zwei seiner Brüder wanderten aufgrund der Not nach Argentinien aus.

Im Jahr 1929 machte sich Georg Beinhofer selbständig. Im darauffolgenden Jahr legte er die Meisterprüfung ab. Die Schusterei übte er in Windach bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs aus. In diesem Krieg musste vom ersten Tag an Kriegsdienst leisten. Während eines Heimaturlaubs 1940 kaufte er das Anwesen in Unterwindach, in dem er seither wohnte und heiratete seine Frau Magdalena Klas aus Oberwindach. Die Hochzeit war eine sogenannte „Kriegstrauung“ und Georg musste kurz darauf wieder an die Front.

Szene aus dem Film: Georg Beinhofer (links) mit dem Filmer Josef Bayr.
Szene aus dem Film: Georg Beinhofer (links) mit dem Filmer Josef Bayr.

Erst 1948, nach insgesamt sieben Jahren in Russland, kam er aus der Kriegsgefangenschaft heim, abgemagert auf 42 kg. Mit seiner Schusterei konnte er in den Nachkriegsjahren nur sehr wenig Geschäft machen.

Da die drei Brüder seiner Frau im Krieg gefallen waren, musste das Ehepaar neben dem eigenen kleinen Anwesen in Unterwindach auch den „Goaber-Hof“ in Oberwindach bewirtschaften, das Elternhaus seiner Frau.

Auch zur Zeit des Interviews, Georg Beinhofer war damals 91 Jahre alt, bringen ihm die Leute noch den einen oder anderen Schuh zur Reparatur vorbei. Aber „wenn koana kimmt, frog i a nix danoch“ meinte Georg. Er habe ja seine Rente und sein Auskommen.

Verwandte und Nachkommen von Georg Beinhofer mit Manfred Stagl (ganz rechts).
Verwandte und Nachkommen von Georg Beinhofer mit Manfred Stagl (ganz rechts).