D’Windacher Film 1

Da Schuasta

Im Januar 1996 erhielt Georg Beinhofer von der Schusterinnung den Goldenen Meisterbrief für 70 Jahre Schuhmacherhandwerk. Der kürzlich verstorbene Hobbyfilmer Josef Bayr besuchte ihn am 15. Oktober 1996 in dessen Wohnhaus in der Landsberger Straße in Windach. Daraus entstand eine Filmaufnahme, in der Georg Beinhofer über sein langes, aber vor allem entbehrungsweiches Leben berichtete.

„Da Schuasta“ und seine interessante Lebensgeschichte stand deshalb im Mittelpunkt der ersten Folge aus der zukünftigen Reihe „D’Windacher Film“, die der Veteranen- und Kameradenverein Windach-Hechenwang kürzlich im Gasthof am Schloss in Windach veranstaltete.

Der Vereinsvorsitzende Manfred Stagl konnte unter den 80 Gästen auch zahlreiche Nachkommen und Verwandte von Georg Beinhofer begrüßen. Der anschließende Film wurde von ihm vor jeder Szene erläutert und mit Hintergrundinformationen angereichert.

Georg Beinhofer wurde am 29. April 1905 als neuntes von 15 Kindern in Unterwindach geboren. 1921 trat er im Alter von 16 Jahren eine Lehrstelle in Utting bei der Schusterei Sirch an. Er musste viel arbeiten. Einen geregelten 8-Stunden-Tag gab es damals noch nicht. Die Arbeitszeit belief sich auf 12 Stunden täglich, auch am Samstag. Ein Fahrrad, um nach Utting zu fahren, hatte er nicht und so musste er meist zu Fuß in die Arbeit laufen. Es war damals eine sehr schlechte Zeit, die Inflationszeit. Er habe oft Hunger gehabt wie ein Wolf. Zwei seiner Brüder wanderten aufgrund der Not nach Argentinien aus.

Im Jahr 1929 machte sich Georg Beinhofer selbständig. Im darauffolgenden Jahr legte er die Meisterprüfung ab. Die Schusterei übte er in Windach bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs aus. In diesem Krieg musste vom ersten Tag an Kriegsdienst leisten. Während eines Heimaturlaubs 1940 kaufte er das Anwesen in Unterwindach, in dem er seither wohnte und heiratete seine Frau Magdalena Klas aus Oberwindach. Die Hochzeit war eine sogenannte „Kriegstrauung“ und Georg musste kurz darauf wieder an die Front.

Szene aus dem Film: Georg Beinhofer (links) mit dem Filmer Josef Bayr.
Szene aus dem Film: Georg Beinhofer (links) mit dem Filmer Josef Bayr.

Erst 1948, nach insgesamt sieben Jahren in Russland, kam er aus der Kriegsgefangenschaft heim, abgemagert auf 42 kg. Mit seiner Schusterei konnte er in den Nachkriegsjahren nur sehr wenig Geschäft machen.

Da die drei Brüder seiner Frau im Krieg gefallen waren, musste das Ehepaar neben dem eigenen kleinen Anwesen in Unterwindach auch den „Goaber-Hof“ in Oberwindach bewirtschaften, das Elternhaus seiner Frau.

Auch zur Zeit des Interviews, Georg Beinhofer war damals 91 Jahre alt, bringen ihm die Leute noch den einen oder anderen Schuh zur Reparatur vorbei. Aber „wenn koana kimmt, frog i a nix danoch“ meinte Georg. Er habe ja seine Rente und sein Auskommen.

Verwandte und Nachkommen von Georg Beinhofer mit Manfred Stagl (ganz rechts).
Verwandte und Nachkommen von Georg Beinhofer mit Manfred Stagl (ganz rechts).

Generalversammlung 2018

Am 17. November 2018 fand im Gasthof am Schloß die Generalversammlung des Veteranen- und Kameradenvereins Windach-Hechenwang statt, zu der 47 Mitglieder erschienen sind.

Zuerst wurde mit einer Schweigeminute der drei Mitglieder gedacht, die seit der letzten Generalversammlung verstorben sind (Georg Schäfer, Werner Christ und Otto Klotz).

Der Verein gedachte auch seiner vor 50, 25 und 10 Jahren verstorbenen Mitglieder, sowie der Soldaten, die vor 100 Jahren im 1. Weltkrieg gefallen sind. Es sind dies:

Vor 100 Jahren:         

Johann Völk (Oberwindach), Josef Greif (Hechenwang), Sebastian Steer (Hechenwang), Michael Schäfer (Hechenwang), Stephan Reuther (Achselschwang).

Vor 50 Jahren:
Johann Uhl (Windach), Johann Dörfler (Hechenwang), Johann Dellinger (Windach), Johann Graf (Windach), Jakob Mannes (Windach).

Vor 25 Jahren:
Martin Schreyegg (Windach), Rudolf Knefel (Windach), Martin Schweihofer (Windach).

Vor 10 Jahren:
Jakob Rapp (Windach), Andreas Vögele (Windach), Adolf Beck (Windach), Max Steer (Hechenwang), Karl Kink (Windach).

Anschließend überbrachte Bürgermeister Richard Michl die Grüße der Gemeinde und blickte auf die Veranstaltungen des vergangenen Jahres zurück, insbesondere die zu 450 Jahre Schloss Windach und 40 Jahre Verwaltungsgemeinschaft Windach.

Herr Stagl unterrichtete die Mitglieder über die zahlreichen Aktivitäten des abgelaufenen Jahres.

  • 9 Besuche bei runden Geburtstagen
  • 3 Beerdigungen von Mitgliedern
  • 3 Vorstandssitzungen
  • Hinweis zu Mitgliedschaften (Ehrenmitgliedschaft ab 80 Jahre bei vorausgehender 10-jähriger Mitgliedschaft, weibliche Mitglieder, keine    minderjährigen Mitglieder)
  • Teilnahme am Fronleichnamsumzug
  • Teilnahme am Volkstrauertag in Windach und Hechenwang
  • Anfertigen einer Panoramatafel mit einer alten Unterwindacher Dorfansicht
  • Vereinsausflug zusammen mit der Jagdgenossenschaft ins Kleinwalsertal und nach Oberstdorf
  • Pilsstand am Windacher Advent
  • D’Windacher G’schicht 9 zum Thema „450 Jahre Schloss Windach“
    (77 Besucher)
  • D’Windacher G’schicht 10 zum Thema „Torfabbau in Windach und Hechenwang“
    (53 Besucher)
  • D’Windacher G’schicht 11 zum Thema „60 Jahre Jugendfußball in Windach“
    (80 Besucher)
  • Schriften des Archivs Ausgabe 9 (Geschichte der Firma August Popp) und Ausgabe         10 (450 Jahre Schloss Windach zusammen mit der     Verwaltungsgemeinschaft Windach)
  • Drei Führungen durch das Schloss im Rahmen der Veranstaltung „450 Jahre Schloss Windach“
  • Diverse Beiträge im Landsberger Tagblatt und Windacher
  • Abwicklung des Cold Water Grill Challenge mit dem Veteranenverein Schöffelding in Form einer gemeinsamen Brotzeit mit Fragen zur Dorfgeschichte
  • Aktion Sterbebildersammlung
  • Resteessen im Rathaus nach der Veranstaltung „450 Jahre Schloss Windach“
  • Jährlicher Beitrag an die Kriegsgräberfürsorge
  • Jährliche Messe für die Verstorbenen im Rahmen des Gottesdienstes am Volkstrauertag

Für das kommende Jahr kündigte er folgende Aktivitäten an:

  • Anschaffung einer Lautsprecheranlage zusammen mit der Gemeinde Windach
  • Aufstellen einer weiteren Panoramatafel in Oberwindach
  • Sammeln von alten Fotos, Urkunden und dergleichen
  • Einrichtung eines Veteranen-Stammtisches mit Vorführung von alten Filmen aus dem Fundus u. a. von Josef Bayr (1. Film: Interview mit Georg Beinhofer)
  • Veranstaltung „400 Jahre Franziskuskapelle und Geschichte des Ortes Steinebach am 19. Mai 2019 (Jon Schweitzer ergänzte Details zur Veranstaltung)
  • Veranstaltung „300 Jahre St.-Martins-Kirche in Hechenwang am 15. September 2019 (Erwin Fichtl ergänzte Details zur Veranstaltung)

Anschließend berichtete er über die Geschichte der schwerbehinderten Anna Stagl aus Windach, die im Jahr 1941 im Rahmen des Euthanasieprogramms vergast wurde.

Die Mitgliederentwicklung gestaltete sich wie folgt: 15 Eintritten standen drei Todesfälle gegenüber. Die aktuelle Mitgliederzahl beträgt 168.

Kassier Reinhard Schreiber berichtet über die Einnahmen und Ausgaben des abgelaufenen Jahres. Anschließend wurde die Vorstandschaft einstimmig entlastet.

D’Windacher G’schicht 11

5.360 Seiten Jugendfußballgeschichte

60 Jahre Jugendfußball in Windach

Im Jahr 1958 gründete Ruprecht Oswald, selbst langjähriger Torwart, die Jugendfußballabteilung der Sportfreunde Windach. Er wurde zugleich auch erster Jugendleiter und Jugendtrainer. 17 Jugendliche bildeten die erste Mannschaft. 60 Jahre und 19 Jugendleiter später besteht die von Helmut Leitner geführte Jugendfußballabteilung aus ca. 180 Spielern.

Der Jugendfußball in Windach und seine interessante Geschichte stand deshalb im Mittelpunkt der elften Folge aus der Vortragsreihe „D’Windacher G’schicht“, die der Veteranen- und Kameradenverein Windach-Hechenwang kürzlich im Windacher Pfarrsaal veranstaltete.

Der Vereinsvorsitzende Manfred Stagl, selbst sechs Jahre Jugendleiter, konnte auch fünf Gründungsmitglieder, acht ehemalige sowie den aktuellen Jugendleiter begrüßen. Auch Manfred Schöller, der Vorsitzende der Sportfreunde Windach und Fußballabteilungsleiter Thomas Wunder waren unter den zahlreichen Gästen.

Die anwesenden Gründungsmitglieder der Jugendfußballabteilung zusammen mit den Organisatoren Manfred Stagl (links) und Gerhard Heininger (rechts).

Anschließend beleuchtete er in einem mit sehr vielen Fotos und mehreren Filmbeiträgen angereicherten Vortrag die 60-jährige Geschichte des Jugendfußballs. Unterstützt wurde er dabei durch seinen Vereinskollegen Gerhard Heininger, zugleich ehrenamtlicher Archivar der Verwaltungsgemeinschaft Windach.

Manfred Stagl baute seinen geschichtlichen Abriss nicht wie üblich von der Vergangenheit zur Gegenwart auf, sondern begann in der Saison 2018/19. Nach der Vorstellung der aktuellen Mannschaften und Trainer beleuchtete er rückwärts die vergangenen 60 Saisons bis zur Gründung der Jugendfußballabteilung, sowie die inoffiziellen Anfänge des Jugendfußballs seit der Gründung der Sportfreunde Windach im Jahr 1923.

Die anwesenden (Ex-)Jugendleiter zusammen mit den Organisatoren Manfred Stagl (links) und Gerhard Heininger (vorne rechts).

Neun Tage lang wurden im Juli 1998 das 40-jährige Jubiläum der Jugendfußballabteilung sowie die damals 15-jährige Zusammenarbeit mit dem TSV Eresing gefeiert. In diesen neun Tagen fanden 13 Fußballturniere statt. 46 Vereine mit insgesamt 82 Mannschaften und 1.000 aktiven Fußballern nahmen teil, darunter so Hochkaräter wie die Jugendmannschaften des FC Bayern München, TSV 1860 München, SpVgg Unterhaching und FC Augsburg.

Im März 1994 wurde unter der Federführung von Manfred Wilke das erste Jufu-Heftchen herausgegeben, zunächst noch 4-seitig. Schon bald zeigte sich, dass die Seitenzahl zu gering war. So wurde sie auf acht verdoppelt. Bis zum Juli 2009 erschienen insgesamt 670 reich bebilderte Jufu-Heftchen, im Durchschnitt alle 8,3 Tage eine Ausgabe, in Spitzenzeiten sogar zwei pro Woche. 5.360 Seiten in 15 Jahren!

In der Saison 1988/89 erlebte der Windacher Fußball seinen bisherigen sportlichen Höhepunkt: Die F-Jugend wurde mit Trainer Günter Ufer oberbayerischer Vize-Meister.

Im Jahr 1968 schlossen sich die Windacher und Eresinger Nachwuchskicker zu einer ersten Spielgemeinschaft zusammen. Eine zweite, bis heute andauernde, folgte im Jahr 1982.

Es hätte aber auch alles ganz anders kommen können: Bereits ein Jahr nach der Gründung drohte dem Windacher Jugendfußball das Aus. Die Windacher Seniorenfußballer wurden wegen eines von ihnen verursachten Spielabbruchs für über ein Jahr gesperrt. Damit durfte auch die Jugendmannschaft nicht spielen. Der Verein stand kurz vor der endgültigen Auflösung.

Das älteste Mannschaftsfoto: Die Spieler von links: Rudolf Burger, Ernst Schulz, Franz Beinhofer, Walter Beinhofer, Karl Kracher, Anton Gehrig, Max Keller, Heinrich Spindler, Erwin Maierhofer, Dieter Panzer.

Darüber hinaus erhielten die Zuhörer in dem knapp dreistündigen, aber dennoch kurzweiligen Vortrag noch viele Informationen über Meisterschaften, Hallenturniere, Ausflüge, Feste, Ehrungen und vieles andere mehr.

Eine Ausstellung mit alten Trikots und Fotos sowie aller erschienen Jufu-Heftchen rundete die Veranstaltung ab.

Presseecho

Landsberger Tagblatt vom 16. November 2018.